Bestandsuntersuchung in einer Kakaoplantage

In Costa Rica gibt es an der Atlantikseite  eine Vielzahl von Kakaoplantagen, die nicht mehr bewirtschaftet werden.
Sie sind  für viele Tiere  das reinste Paradies und bieten Schlangen, Fröschen, Echsen, Insekten und andere Tiere einen geeigneten Lebensraum. Die Tiere finden in den dicht bewachsenen Plantagen Schutz und ein Intaktes Habitat vor. Durch das Blätterdach ist das Habitat vor Sonneneinstrahlung geschützt so das Wasseransamelungen in Baumhoelen und anderer Form nicht so schnell austrocknen. Laut unseren Temperaturmessungen ist es in den Plantagen bis zu 5 Grad Celsius kühler als im Außenbereich So finden Amphibien und Reptilien in manchen dieser Plantagen ein gutes Habitat zur Fortpflanzung vor. Durch optimale Bedingungen finden die Tiere reichlich geeignetes Futter. Die Laubschicht in den Plantagen bietet vielen Tieren gute Versteckmöglichkeiten. Die von den Blättern abgesonderten Huminstoffe wirken sich positiv auf die Haut von Amphibien und Reptilien aus und wirken bei den Tieren durch den Gerbeffekt heilend und Schleimhaut schützend.

Untersuchung der Kakaoplantage

Am frühen Morgen machte ich mich mit meinem indigenen Freund Daniel auf, um eine nahe gelegene Plantage genauer zu untersuchen. Seit einigen Jahren wird diese nicht mehr genutzt und bietet einen idealen, ungestörten Lebensraum für eine Vielzahl von Lebewesen. Bei einer Expedition in solch eine  Plantage ist Vorsicht geboten.

Es ist dort nicht unwahrscheinlich auf Gifttiere wie eine Terciopelo-Lanzenottern (Bothrops Asper) zu treffen. Hohes und festes Schuhwerk sowie geeignete Kleidung und ein Moskitoschutz sind klare Voraussetzungen und unumgänglich um die evtl. Gefahr eines Bisses zu vermeiden.

Laut einem dort lebenden Einheimischen soll es dort des öfteren zu Begegnungen mit einem Buschmeister(Lachesis stenophrys) gekommen sein.

Durch seine stattliche Größe und sein überaus potentes, rasch wirkendes Gift ist er die wohl die gefürchteste Giftschlange Costa Ricas. Exemplare von über 3m Länge sind keine Seltenheit. Eine Begegnung mit diesen Tieren ist trotzdem überaus selten. Die Tiere sind nachtaktiv und verlassen ihre Baum und Erdhöhlen nur selten. Größtenteils leben Buschmeister tief im Dschungel.

In solchen Plantagen gilt unser Augenmerk den versteckten und gut getarnten Tieren.

Daniel ist in Costa Rica aufgewachsen und ist als interessierter Feldherpetologe mit den Lebensgewohnheiten und Habitaten der Tiere gut vertraut.

Augenscheinlich wirken solche Plantagen recht leer und unbewohnt. Es ist auch nicht einfach ohne Kenntnisse dort verschiedene Tiere zu entdecken, obwohl man weiss, dass diese sich dort aufhalten. Mann muss das Gelände genauer untersuchen und es ist schon gut wenn man dabei jemanden wie Daniel an seiner Seite hat. So war ich also gespannt darauf, was wir wohl am heutigen Tage alles finden würden. Wir nahmen uns  Zeit und konzentrierten uns darauf, die Plantage Stück für Stück zu untersuchen.

Untersuchung des Bodenbereiches

Die ersten Tiere die wir beim Betreten der Plantage bemerkten waren kleinere Echsenarten wie Geckos und Anolis. Sie wurden durch unsere Schritte aufgeschreckt und haben sich danach schnell wieder unter der Laubschicht oder  den Wurzeln verkrochen.

Unter und über der Laubschicht befinden sich verschiedene  Insekten, einige von ihnen sind mikroskopisch klein (Mikroinsekten). Oftmals handelt es sich hierbei um Springschwänze und Milben, die auch gerne Umweltpolizei genannt werden. Sie sorgen für die Kompostierung in dem sie abgestorbene, organische Stoffe (Unrat) in wertvollen Humus umwandeln .Hinzu kommen andere Insekten wie Ameisen und Termiten, die auf dem Boden und den Bäumen leben. Wir konnten auch Wolfsspinnen der Gattung Lycosidae und andere Gliederfüßer beobachten. Im Umfeld  fielen uns Stechmücken, Wespen, Bienen und wunderbar gefärbte Schmetterlinge auf.

 Untersuchung im Habitat

Bei der Untersuchung eines mit anderen Rankpflanzen bewachsenen Kakaobaumes konnten wir den Goldbaumsteigerfrosch (Dendrobates auratus) beobachten. Die Frösche suchen hier nach Nahrung und mit Wasser gefüllte Baumhöhlen um ihre Larven dort zur Weiterentwicklung abzulegen.

Besonders interessant war die Untersuchung eines Baumstumpfes welcher schon sehr zerfallen und bröckelig war. An diesem mit Rankpflanzen bewachsenen Stamm waren wunderbar gefärbte Echsen zu beobachten. Beim heraustrennen eines Holzstückes kamen grosse, schwarze Käfer und deren Larven zum Vorschein. Diese Insekten fressen sich sehr schnell durch das Holz. In einer Baumhoele konnte ich eine kleine Baumlebende Vogelspinnen Art (Psalmopeus ssp) entdecken.

Plötzlich viel etwas aus einem großen Baum zu Boden. Daniel rief mir zu:”un Cuculo”. So nennen die Indios die hier lebenden Faultiere. Es lag erst regungslos auf dem Boden und rührte sich nicht mehr. Zum Glück hatte das Tier sich nur erschreckt und war nicht verletzt. Es war am ganzen Körper von Parasiten besiedelt. Flöhe, Motten und andere springende Insekten, jedoch ist das bei diesen Tieren völlig normal. Sie leben mit diesen Parasiten. Nach einem kleinen Fotoshooting machte sich das Faultier auch schon wieder auf in den nächstgelegenen Baum.

Ich wollte unbedingt noch eine Schlange finden. Die Gegebenheiten hier sind ideal für verschiedene Schlangen wie den Hühnerfresser (Pullatus spilatus), die Glanzspitznatter (Letopis atulla), die springende Lanzenotter (Porthidium Nasutum) hier zulande Tamagar genannt und die Greifschwanz Lanzenotter (Bothriechis schlegelli) die in verschiedenen Farbformen vorkommt. Die gelb gefärbten Tiere von B. Schlegeli werden hier Oropel genannt. Die anderen grünlich, rötlich oder braun-grau gefärbten tragen den Namen Boracaca.

Ich hatte hier auch schon des öfteren Korallenschlangen der Gattung Micrurus erblicken können. Ihr Gift wirkt ähnlich, wie das der Kobra.

Wir konzentrierten uns auf die Greifschwanz- Lanzenotter. Diese kleine Giftschlange hält sich gerne in Höhen von ca 1,50m an Bäumen auf. Sie ist kaum sichtbar, da sie sich oft zwischen die herunterwachsenden Luftwurzeln klemmt. Um diese Schlange zu finden braucht mann ein sehr gutes Auge denn nicht alle diese Exemplare sind leuchtend gelb wie das kleine Männchen welches Daniel nach langer intensiver Untersuchung in einer Baumhöhle fand.

Greifschwanzlanzenotter Bothriechis schlegelii

Ich hatte das Glück eine springende Lanzenotter zu finden die, sehr versteckt und gut getarnt zwischen den Kakaoblättern lag.

Und auch ein besonders gefährlich aussehender Schleiche (Diploglossus monotropis) die mit ihren leuchtenden Farben wirklich den Anschein erweckt das sie giftig ist. Die Indios nennen sie Skorpionsechse. Sie ist aber völlig harmlos.

Hingegen haben die hinter einer Baumrinde gefundenen Skorpione (Centruroides limbatus) schon ein schmerzendes Gift.

Daniel fand noch ein weiteres interessantes Insekt die Bullet Ant (Paraponera clavata), auch  die 24 Stunden Ameise genannt . Diese recht großen Ameisen verfügen über das schmerzhafteste Insektengift welches in der Insektenwelt vorhanden ist. Auch steht kein Serum zur Verfügung .Ich habe aber von den Indigenen einen Tipp bekommen welcher auch wirklich hilfreich ist. Demnach sollte man nach einem Biss die Ameise auf der Bissstelle zerreiben. Schon nach kurzer Zeit lassen die Schmerzen nach.

Nun hatten wir doch schon so einiges an Tieren in der Plantage finden können. Und wir beschlossen für heute die Expedition abzubrechen ..Auf dem Rückweg bemerkte ich plötzlich etwas kaltes auf meiner Wade. Als ich danach griff, konnte ich kaum glauben was ich da in den Händen hielt…. einen Laubfrosch, welche ja zu meinen Lieblingstieren gehören und die ich lange nicht in der Natur gesehen habe.

 

Wir hoffe euch mit diesem Bericht eine Freude gemacht zu haben.

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Fotografen: Thorsten Tittel, Peter Jupe, Freek Fong und Michael Stifter – Tierfotograf.

Text: Thorsten Tittel und Mirko Streuber

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